Schaden Facebook-Follower-Rekorde den Fans?

Es ist ein Elefantenrennen. Die großen Sportmarken kämpfen einen einsamen Kampf im zweistelligen Millionenbereich und lassen, was die Zahl der Facebook-Follower anbelangt, viele Klubs alt aussehen. Wir sprechen vom FC Barcelona, von Real Madrid und von Manchester United. Alle drei Klubs vereinen weit über 30 Millionen Facebook Fans. Beeindruckend nicht wahr? Und die Teams wollen mehr. Wann sehen wir also den ersten Klub mit mehr Fans als Deutschland Einwohner hat?

Aber neben diesen erstaunlichen Zahlen stellen sich mir einige Fragen. Kann man bei solchen Hausnummern überhaupt noch davon sprechen in Interaktion mit dem Fan treten zu können? Ist wirklich der Fan noch Zentrum der Bemühungen, oder ist es notgedrungen etwas anderes, von außen schwer Definierbares?

Ist das ein gesundes Wachstum?

Teilweise wird man beim Betrachten der Einträge der erfolgreichsten Sportmarken im Facebook den Eindruck nicht los, dass es gar nicht mehr darum geht, die Kommunikation in einem Dialog zu betreiben.

Ganz sicher ist es naiv zu behaupten man könne mit 10 Millionen Menschen in einen Dialog treten. Und deswegen soll das auch beileibe kein Vorwurf an die Klubs und ihre Mitarbeiter hinter den Facebook-Seiten sein.

Social Media und Sport ist keine Party

Trotzdem muss man traurig feststellen, dass die so mächtigen Rückkopplungsmechanismen auf Seiten mit so einer hohen Follower-Zahl nicht mehr zum Tragen kommen können. Und deshalb passt das Bild der „Party“ um Social Media im Zusammenhang mit solchen Seiten zu beschreiben nicht mehr.

flickr.com/photos/fanintoflames

Das scheint Party, bei der man sich zu einer Gruppe gesellt, zuhört und sinnvoll und interessant in das Gespräch einbringt. Das ist wie im Stadion während der 80er Jahre. Die Fans haben die Möglichkeit mit „Yeah“ oder „Buuh“ das Team und dessen Leistungen zu beeinflussen. Mehr aber auch nicht. Grund ein Zaun der Team und Fans trennt.

Wir bauen uns die Barriere selbst

Und genau das entsteht doch auf Seiten mit solchen Follower-Zahlen auch. Es entsteht ein Zaun, den wir Fans durch unsere Begeisterung selbst bauen. Ein Zaun oder ein Graben über den wir vielleicht rüber brüllen können, am anderen Ende uns aber keiner im Detail versteht. Vielmehr als „Gefällt mir“ oder „langweilt mich“ (wenige Kommentare als gewohnt) kommt nicht an.

Bild: flickr.com/photos/wallyg

Es sei denn es setzt sich jemand hin und liest alle 20.000 Kommentare und eröffnet den Dialog zwischen Klub und Fan erneut. Und ganz ehrlich, bei der Masse findet er dort alles andere als Klasse. Außer dem „Yeah“, „Buh“, Spam oder Beleidigungen ist nicht mehr viel zu finden.

Das ist bei einer Follower-Zahl von weit über 10 Millionen auch Utopie. Also bleibt nichts anderes als diese Zäune, die wir selbst geschaffen haben nieder zu reißen, die Tore zu öffnen und das Feld für jeden zugänglich zu machen. Ob das auf einer Plattform wie Facebook sie ist möglich ist sei dahingestellt. Auf jeden Fall bleibt aber die Frage offen: Schaden Facebook-Follower-Rekorde den Fans?

Bild: (Flickr.com/ tnjn)

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